Luftkurort Flechtingen
 
     
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Tetzelgeschichte

(unter dem Titel "Tetzel und der Ritter" Teil der "Sammlung deutscher Sagen" von Ludwig Bechstein)

An einem heiteren Herbsttage des Jahres 1517 hielt ein Wagen auf dem freien Platz vor der Kirche, um den sich bald eine bunte Menschenmenge sammelte. Zuletzt kam auch der edle und gestrenge Schlossherr, Barward von Schenck, den breitrandigen Filzhut keck auf das Ohr gestülpt. Dem Dorfe und der Burg war nämlich ein großes, unverhofftes Heil widerfahren. Der Dominikanermönch, der sich aus der Tiefe des Wagens hervorarbeitete, war der bekannte Prediger Johann Dietz von Leipzig, genannt Tetzel. Die Flechtinger hörten seinen Worten aufmerksam zu und kauften sich von aller Schuld frei. Zuletzt trat auch Barward zu dem Mönche. "Ehrwürdiger Vater", sprach er, "Ablass erbitte ich für eine Sünde, die noch nicht begangen ist." Misstrauisch blickte der Mönch den Ritter an. Da aber warf Barward eine volle Geldkatze auf den Tisch und der Mönch zögerte nicht länger. Er füllte den sündentilgenden Ablasszettel aus. Aber was geschah am nächsten Tag?

Wohlgemut zog Tetzel durch den Walbecker Forst, als er plötzlich von Reitern umringt wurde. Unter ihnen war Barward von Schenck und forderte den Kasten mit dem Geld. Da halfen alle Drohungen nichts, denn Barward hatte bereits seinen Ablassbrief in der Hand. Von dem erbeuteten Geld aber ließ der Edelmann, da das Dorf bis dahin keine eigene Kirche gehabt hatte, jenes Gotteshaus erbauen, das heute noch steht.

Anmerkungen zur Sage:
Der Tetzelkasten als Beleg zur Geschichte ist im Altarraum der Kirche ausgestellt. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Flechtingen nicht erst 1517, sondern bereits wesentlich früher über eine Kirche verfügte.

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